KINO: Vor der Morgenröte

Ines Fingerlos 16. Dezember 2016 Kommentare deaktiviert für KINO: Vor der Morgenröte

KINO: Vor der Morgenröte
Datum und Zeit:
16.12.16
19:30 – 21:15

D,F,A   2016 | Drama, Biografie | 106 Min. | Regie: Maria Schrader – Filmladen

Prädikat: besonders wertvoll

Ein filmisches Denkmal für den einzigartigen Stefan Zweig mit Josef Hader

Ein eleganter Film von großer Eindringlichkeit, der Krieg aus der Perspektive jener erzählt, denen eine Flucht gelungen ist, die um die Heimat fürchten, und die an diesem Dilemma zu zerbrechen drohen.

1936 ist der weltberühmte Schriftsteller Stefan Zweig (Josef Hader) zu Gast in Rio de Janeiro. Der Außenminister spricht warme Worte: Seine Literatur sei Zweig vorausgereist, hier sei er willkommen. Zweig ist da längst entwurzelt, schon 1934 war er vor dem Austrofaschismus nach England geflohen. Regimekritiker werden in Deutschland und in Österreich eingeschüchtert, ihre Bücher verbrannt. Auch die von Zweig. Journalisten bedrängen ihn, er möge sich zur Situation in Deutschland äußern, doch Zweig weigert sich: Jede Widerstandsgeste ohne Risiko sei nur geltungssüchtig. „Ich kann mich doch nicht freuen, wenn Berlin tüchtig bombardiert wird“, sagt der überzeugte Pazifist noch 1942. Dass er selbst im Exil lebt, leben darf, während unzählige andere unter unvorstellbaren Bedingungen umkommen, bereitet ihm entsetzliche Gewissensbisse. Stefan Zweig wird das Ende dieses furchtbaren Krieges nicht erleben: 1942 begehen er und seine zweite Frau Lotte Selbstmord.

Vor der Morgenröte, die berückend schöne zweite Regiearbeit von Maria Schrader (Liebesleben), erzählt in fünf Episoden von Zweigs Alltag im Exil, von den Schuldgefühlen des Davongekommenen, der die Gedanken an die Zurückgebliebenen keinen Moment abzustreifen vermag, und der doch voll Begeisterung für dieses Brasilien steckt. Es ist ein eleganter Film von großer Eindringlichkeit, der Krieg aus der Perspektive jener erzählt, denen eine Flucht gelungen ist, die um die Heimat fürchten, und die an diesem Dilemma zu zerbrechen drohen. Die scheinbare Beiläufigkeit, mit der Maria Schrader diese Verzweiflung inszeniert, verleiht dem Film weit über die historischen Figuren hinaus Bedeutung, gerade in unserer Gegenwart von Geflüchteten und Zurückgebliebenen, wo geschlossene Grenzgänge, Asylrechtsverschärfungen und Obergrenzen wieder über Existenzen entscheiden, und das ganz normale Leben daneben weitergehen muss, ein Hund kläfft, eine Tür knarrt, und die entsetzlichen Verbrechen eines Krieges immer präsent sind.

KINO entan TAUERN im KULTURZENTRUM „die künstlerei“ / Tamsweg

Eintritt: € 7,- / Erm. € 6,- / Jugend € 5,-

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Veranstaltungsort
KULTURZENTRUM die künstlerei

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